Investitionsschutz und Basis für innovative Applikationen

Allein am BASF Standort Ludwigshafen wurden die Daten von rund 200 Anlagen von ProDOK nach ProDOK NG migriert. Bild: BASF
Die BASF-Gruppe setzt seit 30 Jahren europaweit das PLT-CAE-System ProDOK aus dem Hause Rösberg zur Planung und Betriebsbetreuung ihrer Produktionsanlagen ein. Die Akzeptanz der User im Tagesgeschäft ist hoch, gleichzeitig gibt es viele neue Anforderungen zur Einbindung innovativer Applikationen. Deshalb hat BASF entschieden, auf die neue Systemgeneration ProDOK NG überzugehen. Dazu war die europaweite Migration der PLT-Daten von ca. 300 Anlagen mit ca. 1,3 Millionen PLT-Stellen an Standorten wie Antwerpen, Basel, Ludwigshafen, Schwarzheide und Tarragona erforderlich. Ohne Störung der betrieblichen Abläufe wurden innerhalb von zwei Jahren die historisch gewachsenen, teilweise unterschiedlichen Datenformate auf einen einheitlichen internationalen Standard (eCl@ss Advanced) gehoben, um anlagenweite oder standortübergreifende Auswertungen/Applikationen zu ermöglichen.

„Frühjahrsputz“ für die Dokumentation

Allein am BASF Standort Ludwigshafen wurden die Daten von rund 200 Anlagen von ProDOK nach ProDOK NG migriert. Bild: BASF
Allein am BASF-Standort Ludwigshafen wurden die Daten von rund 200 Anlagen von ProDOK nach ProDOK NG migriert.
Bild: BASF

Im Zuge der Umstellung sollten auch die vorhandenen Daten überprüft werden. Wo hatten sich unnötige Daten und Dokumente angesammelt? Wo waren Daten inkonsistent? Wo gab es Reports, Formulare oder Dokumente mit fast identischen Inhalten, aber unterschiedlichen Ausprägungen? Wo stimmten Verknüpfungen nicht oder liefen ins Leere? Die Experten von Rösberg unterstützten die BASF im Rahmen eines Consultingprozesses intensiv bei der Beantwortung dieser entscheidenden Fragen. Sie lieferten also weit mehr als ihr PLT-CAE System ProDOK NG, sondern begleiteten den Migrationsprozess von Anfang bis Ende. Dass die Mitarbeiter von Rösberg immer wieder Neuanlagen oder den Umbau von Bestandsanlagen planen und begleiten, erwies sich hier als wesentlicher Vorteil. Sie verstehen die Planungsprozesse, die von der Software abgebildet werden und kennen typische Herausforderungen aus eigener Erfahrung. Vor der Überführung von Datenbankinhalten wurden diese also zuerst von angepassten ProDOK-Standardtools auf datentechnische Konsistenz und Integrität geprüft, ohne Daten ingenieurtechnisch zu verändern. Gefundene Diskrepanzen galt es dann vor der Migration semiautomatisch zu beheben. Die Beseitigung dieser Diskrepanzen wäre auch ohne die Migration der Daten sinnvoll gewesen.

Standardisierung und Zukunftssicherheit

Ralph Rösberg, ehemaliger Geschäftsführer der Rösberg Engineering GmbH, erläutert: „Nach meiner Kenntnis ist ProDOK NG momentan das einzige PLT-CAE-System am Markt, das diesen zukunftsweisenden Standard für die Prozessindustrie umfassend unterstützt. Dabei sind aus unserer Sicht wesentliche Teile von Industrie 4.0 nur dann realisierbar, wenn sich auch die in den Betrieben eingesetzten Geräte durchgängig standardisiert beschreiben lassen. Mittelfristig werden Unternehmen also um eCl@ss Advanced nicht herumkommen, wenn sie zukunftssichere Anlagen aufbauen und betreiben wollen.“ Bild: Rösberg
Ralph Rösberg, ehemaliger Geschäftsführer der Rösberg Engineering GmbH,
Bild: Rösberg

Die Überführung betraf alle großen europäischen Standorte der BASF. Über die Jahre hinweg waren dort unterschiedliche Datenformate im Einsatz. Teilweise gab es sogar an einem Standort mehrere verschiedene Dokumentationsstandards. Hier wurde die Migration genutzt, um individuelle Stammdatensätze europaweit zu konsolidieren und die verwendeten PLT-Gerätespezifikationsformulare von ursprünglich ca. 250 auf ca. 60 zu reduzieren. Die einheitliche Basis für diese Gerätespezifikationen ist nun eCl@ss Advanced, dieser ISO- bzw. IEC-normkonforme und branchenübergreifende Standard eignet sich ideal für die Beschreibung prozesstechnischer Daten und ist derzeit mindestens in Europa konkurrenzlos. Ralph Rösberg, ehemaliger Geschäftsführer der Rösberg Engineering GmbH, erläutert: „Wesentliche Teile von Industrie 4.0 sind aus unserer Sicht nur dann realisierbar, wenn sich auch die in den Betrieben eingesetzten Geräte durchgängig standardisiert beschreiben lassen. Mittelfristig werden Unternehmen also um eCl@ss Advanced nicht herumkommen, wenn sie zukunftssichere Anlagen aufbauen und betreiben wollen.“ Die europaweite Reduktion der Stammdaten und das einheitliche Nutzen von eCl@ss Advanced sorgen für mehr Übersichtlichkeit und ermöglichen standortweite und standortübergreifende Vergleiche und Auswertungen für PLT-Planer, Betriebsbetreuer und Produktionsmitarbeiter.

Die Zugriffe der vielen verschiedenen Usern in den unterschiedlichen Betrieben an den einzelnen Standorten erfordern natürlich die Beachtung der grundlegenden Vorschriften hinsichtlich Datensicherheit und Informationsschutz. Die BASF Gruppe betreibt zu diesem Zweck ein zentrales Verwaltungssystem für die Zugriffe auf ihre IT-Systeme aller Art. An dieses zentrale System sind sowohl das PLT-CAE-System ProDOK NG und das As-built-Dokumentationssystem LiveDOK NG angekoppelt.

Störungsfreie PLT-Datenmigration in den Produktionsanlagen

Die Migration in Europa verlief schrittweise über zwei Jahre. Wichtig war dabei, die betrieblichen Abläufe nicht zu stören. Dazu wurden für alle europäischen Produktionsanlagen der BASF ein einheitlicher Migrations- sowie realistischer Terminplan erstellt. Nachdem der gesamte Migrationsprozess an ausgewählten Pilotanlagen ausgiebig getestet wurde, konnte er sukzessive umgesetzt werden. An den Wochenenden wurden dann die Daten von jeweils ca. 20 Anlagen überführt: Ende der Woche sperrten die Anlagenbetreiber dazu die Zugriffe auf die Datenbanken der alten Systemgeneration ProDOK 9.5, starteten die automatisierte Prüfung der Datenbankinhalte auf Konsistenz und Integrität, nahmen eventuelle Korrekturen vor und speicherten die vorgeprüften Dateninhalte im Standardformat. Diese wurden Rösberg per Fernzugriff zur Verfügung gestellt. Die IT-Spezialisten luden dann jeweils am Freitagabend die Datenpakete auf Hochleistungsserver. Dort wurden sie automatisch migriert sowie mit dem vordefinierten Standardergebnisformat verglichen, eventuelle Abweichungen wurden analysiert und semiautomatisch korrigiert. Dabei war eine zusätzliche Unterstützung durch BASF Personal nicht notwendig. Am Montagvormittag konnten die migrierten Datenbanken dann von der BASF auf neue zentrale Datenbankserver eingespielt werden. Die Mitarbeiter in Produktions- und Technikeinheiten an den BASF-Standorten, die zeitnah zuvor bereits geschult wurden, konnten nun sofort mit dem neuen System arbeiten. Rösberg hatte natürlich einen Fallback-Plan vorbereitet, sollte die Migration einmal nicht reibungslos an einem Wochenende durchlaufen, musste ihn aber nie anwenden.

Die externen Kosten bei Firma Rösberg für das europaweite Migrationsprojekt waren überschaubar. Umgerechnet auf die einzelnen PLT-Stellen der ca. 300 Produktionsanlagen lagen sie bei ca. einem halben Euro pro PLT-Stelle.

Vorteile für Nutzer in Produktions- und Technikeinheiten

Der Einsatz von ProDOK gewährleistet Investitionssicherheit. Die Software ist seit Jahrzehnten aufwärtskompatibel und zukunftssicher. Bild: Rösberg
Der Einsatz von ProDOK gewährleistet Investitionssicherheit. Die Software ist seit Jahrzehnten aufwärtskompatibel und zukunftssicher.
Bild: Rösberg

Dass sich dieser Migrationsaufwand im Tagesgeschäft auszahlt, zeigen die zahlreichen Vorteile, die sich im Rahmen der Migration durch die dabei entstandenen europaweit einheitlichen Datenbanken ergeben:

Die neue System-Architektur von ProDOK NG erfüllt nun die aktuellen Anforderungen der BASF-IT nach einem zentralisierten Server, möglichst einheitlichen IT-Installationen und europaweiten Zugriffen nach generellen Informationsschutzregeln. Dadurch lassen sich anlagenweit oder standortübergreifend Auswertungen bzw. die Integration neuer Applikationen realisieren. Der einheitliche Datenbestand basierend auf Normen wie eCl@ss Advanced hilft zudem dabei, künftigen „Wildwuchs“ zu vermeiden, was auch auf lange Sicht den notwendigen Pflegeaufwand minimiert.

Durch die Standardisierung der Reports und Formulare in ProDOK NG ist es weitgehend unerheblich, an welchem großen Standort in Europa ein Mitarbeiter eingesetzt wird, er findet sich schnell in der dortigen PLT-Anlagendokumentation zurecht. Mitarbeiter werden also ebenso flexibler einsetzbar wie externe Vertragspartner, das Outsourcen von einzelnen Arbeitsschritten wird weiter erleichtert. Das gilt auch bei allen Arbeiten mit den PLT-Dokumenten auf Basis der Webapplikation LiveDOK.web, welche betriebssystemunabhängig auf allen marktgängigen mobilen Geräten einsetzbar ist.

Das Asset Management profitiert ebenfalls: Erstmals kann z.B. einfach per Knopfdruck abgefragt werden, welche technischen Komponenten/Geräte in welchen Anlagen eingebaut sind, und zwar europaweit. Das hat Vorteile z.B. bei gerätespezifischen Störungen, bei Analysen von Ausfällen oder bei der Vorbereitung von PLS-Migrationen. Da Gerätelieferanten zukünftig Gerätedaten einheitlich im eCl@ss Advanced-Format liefern müssen, lassen sich diese Gerätespezifikationen direkt ins PLT-CAE-System integrieren. Die As-built-Dokumentation wird dadurch noch besser.

Umstieg auf PLT-CAE-System lohnt sich

Von all diesen Vorteilen können auch Firmen profitieren, die bislang kein modernes PLT-CAE-System einsetzen. Dadurch können sie Probleme vermeiden, die ohne ein effizientes PLT-Planungs- und Dokumentationstool im Alltag immer wieder auftreten: Inkonsistente Dokumentation, wie sie typisch beim Einsatz von Office-Werkzeugen zur Planung entsteht, ist in solchen Fällen ein Standardkritikpunkt bei Audits durch Kunden, Aufsichtsbehörden oder internem Revisionsmanagement. Im Worst Case, wenn es zu sicherheitstechnischen Problemen mit der Anlage kommt und man darlegen muss, dass alle relevanten Vorschriften eingehalten wurden, kann eine zuverlässige Dokumentation für ein Unternehmen äußert wichtig sein.

Über BASF
Chemie für eine nachhaltige Zukunft, dafür steht BASF. Das Unternehmen will wirtschaftlichen Erfolg mit dem Schutz der Umwelt und gesellschaftlicher Verantwortung verbinden. Rund 122.000 Mitarbeiter arbeiten in der BASF-Gruppe daran, zum Erfolg ihrer Kunden aus nahezu allen Branchen und in fast allen Ländern der Welt beizutragen. Das Portfolio ist in sechs Segmenten zusammengefasst: Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Surface Technologies, Nutrition & Care und Agricultural Solutions. BASF erzielte 2018 weltweit einen Umsatz von rund 63 Milliarden €. das Unternehmen ist börsennotiert in Frankfurt (BAS), London (BFA) und Zürich (BAS). Weitere Informationen unter www.basf.com.

Über Rösberg
Rösberg Engineering GmbH, im Jahre 1962 in Karlsruhe gegründet, bietet mit 140 Mitarbeitern an fünf Standorten in Deutschland und in China maßgeschneiderte Automatisierungslösungen für international agierende Unternehmen der Prozessindustrie. Heute ist RÖSBERG ein international erfolgreicher Automatisierer und Entwickler von Softwarelösungen. Zum Aufgabenspektrum gehört das Basic- und Detail-Engineering für die Automatisierung von prozess- und fertigungstechnischen Anlagen sowie die Konfiguration, Lieferung und Inbetriebnahme von Prozessleitsystemen. Zudem verfügt das Unternehmen über umfangreiche Projektierungs- und Anwendererfahrung beim Einsatz sicherheitsgerichteter Steuerungen, ist Experte für Funktionale Sicherheit und bietet im Bereich der Informationstechnik branchenspezifische Softwarelösungen an. Das PLT-CAE-System ProDOK ist seit über 30 Jahren international erfolgreich. Unter dem Namen Plant Solutions begleiten ProDOK, die digitale Anlagendokumentation LiveDOK und der Plant Assist Manager (PAM) Anlagen während der gesamten Betriebszeit von Planung, Bau, Inbetriebnahme, Modernisierung und Erweiterung bis hin zur Stilllegung.

Titelbild: BASF

Nora Crocoll

Studium Technische Redaktion, Praxis in der Elektronik-Industrie. Diplomarbeit in der Softwareentwicklung (XML-basierte Arbeitsumgebung für Redaktionsleitfaden). Seit 2005 als Autorin beim Redaktionsbüro Stutensee.

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