Was tun, wenn die 3G-Abkündigung kommt?

Zukunftssichere Lösungen für die Fernwartung

Viele Anwendungen die Mobilfunkverbindungen nutzen, befinden sich an abgelegenen Orten. Die Anfahrt, um den Mobilfunkrouter zu tauschen, ist oft teurer als die Anschaffung der neuen Komponente. Deshalb ist es sinnvoll, die turnusmäßige Wartung für den Tausch zu nutzen. Bild: Welotec

Mobilfunktechnik hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Mehr Bandbreite und höhere Datenraten lautete dabei die Devise. In vielen industriellen Anwendungen sind jedoch nach wie vor Modems und Router im Einsatz, die auf den 2G- (GSM, GPRS und Edge) oder 3G-Standard (UMTS, HSPA) setzen und damit auch bestens auskommen. Also: Never touch a running system? Doch, unbedingt! Denn je nach Telekommunikationsanbieter werden die 3G-Kommunikationsnetze in absehbarer Zeit abgeschaltet. Wer bis Ende 2020 nicht umgestiegen ist, geht ein großes Risiko ein.

Innovationen im Mobilfunkbereich gingen in den letzten Jahren rasant vonstatten. Jetzt droht die Abkündigung von 3G in 2020. Viele Anwendungen, die bislang mit dem Standard bestens auskamen, müssen nun Alternativen suchen. Bild: Welotec

Innovationen im Mobilfunkbereich gingen in den letzten Jahren rasant vonstatten. Jetzt droht die Abkündigung von 3G in 2020. Viele Anwendungen, die bislang mit dem Standard bestens auskamen, müssen nun Alternativen suchen.

Konkrete Aussagen zu finden, ab wann 3G nicht mehr zur Verfügung steht, ist derzeit nicht ganz einfach. Ein Passus in den AGB der deutschen Telekom besagt: „Die dort aufgeführte Netztechnologie 3G (UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) und HSPA (High Speed Packet Access)) im Mobilfunknetz der Telekom ist – vorbehaltlich einer Verlängerung – nur bis zum 31.12.2020 verfügbar.“ Einige UMTS-Frequenzen der Telekom laufen 2020 definitiv aus und werden neu vergeben. Vodafone hat angekündigt UMTS europaweit zwischen 2020 und 2021 abzuschalten. Die Telefonica (O2) hat sich noch nicht geäußert. 2100 MHz wird gerade bei der Telekom intensiv für eine LTE-Nutzung getestet, denn LTE wird neben dem 5G-Netz weiterhin verfügbar sein und dieses ergänzen.

Wer geplante Instandhaltung sinnvoll nutzt, spart Kosten

Auch wenn es bei den Anbietern noch keine finale Aussage gibt, wann die 3G-Technologie endgültig abgestellt wird, sollte man jetzt über einen Umstieg nachdenken. Denn die Kommunikationsanbieter sind voll damit beschäftigt, die Netze für LTE und 5G weiter auszubauen und werden für die Pflege der Infrastruktur von 2G oder 3G wohl kaum noch Aufwand betreiben. Zukunftssicher ist man mit diesen Netzen also nicht. Außerdem befinden sich Anlagenteile, die per Fernwartung überwacht werden, meist an sehr abgelegenen Orten. Wenn die Anlage wie geplant läuft, kommt dort vielleicht im jährlichen Wartungsturnus ein Mitarbeiter vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Oft ist die Anreise weit und damit zeitaufwändig. Müssen in einer solchen Anlage wegen Abkündigungen Komponenten getauscht werden, können die Kosten für Anreise und Austausch der Komponenten die eigentlichen Anschaffungskosten deutlich übersteigen. Ist die Notwendigkeit also absehbar, sollte der Tausch frühzeitig geplant werden, um ihn im Zuge einer ohnehin geplanten Instandhaltung vorzunehmen und damit Kosten zu sparen. Das gilt auch im Zusammenhang mit der Abkündigung von 3G.

Lösung: Automatischer Fallback auf 2G?

Jos Zenner, Geschäftsführer, Welotec GmbH warnt jedoch: „Sich auf den automatischen Fallback von 3G auf 2G zu verlassen ist eine trügerische Sicherheit. In vielen Kommunikationsnetzen kann es dann leicht zur Überlastung einzelner Zellen kommen.“ Bild: Welotec

Jos Zenner, Geschäftsführer, Welotec GmbH warnt jedoch: „Sich auf den automatischen Fallback von 3G auf 2G zu verlassen ist eine trügerische Sicherheit. In vielen Kommunikationsnetzen kann es dann leicht zur Überlastung einzelner Zellen kommen.“

Die Abschaltung betrifft derzeit 3G-Netze, die deutschlandweit ohnehin nie flächendeckend zur Verfügung standen. Unter anderem deshalb sehen die meisten Modems und Router mit UMTS einen automatischen Fallback auf 2G vor. Daher nehmen manche Anwender die bevorstehende Abkündigung entspannt. Jos Zenner, Geschäftsführer, Welotec GmbH warnt jedoch: „Sich auf den automatischen Fallback zu verlassen ist eine trügerische Sicherheit. In zahlreichen Kommunikationsnetzen laufen bereits viele Systeme auf 2G. Kommen durch den Fallback weitere dazu, kann es leicht zur Überlastung einzelner Zellen kommen und die gesamte Kommunikation darunter leiden oder gar komplett ausfallen.“

Da auslaufende Frequenzen für andere Standards vergeben werden, steht zudem künftig für 2G immer weniger Frequenzspektrum zur Verfügung. In anderen Ländern könnte diese Fallback-Strategie generell problematisch werden. Eine Fallback-Lösung muss also für den konkreten Fall mit Bedacht geprüft werden, stets mit dem Wissen, dass sie keinesfalls zukunftssicher, sondern höchstens für den Übergang geeignet ist.

Jetzt in die Zukunft investieren

Besser ist es also, bereits jetzt in die Zukunft zu investieren. Viele Betreiber scheuen jedoch die Kosten und fragen sich, ob moderne Kommunikationsstandards für ihre Anwendungen nicht überdimensioniert sind. Und tatsächlich muss es für viele Anwendungen nicht 5G sein, sondern LTE bietet eine passende Lösung. Nach derzeitiger Planung wird LTE teilweise in den 5G-Standard eingehen und ist damit zukunftssicher. Technisch gesehen handelt es sich bei LTE nicht um einen einzigen Standard, sondern um mehrere. Mit LTE Cat. 1 bzw. LTE Cat. M1 steht Anwendern aus dieser Sammlung ein zukunftssicherer Standard zur Verfügung, der nicht nur von den Datenraten, sondern auch bei Anschaffungs- und Datenübertragungskosten im Bereich von UMTS liegt.

Für den Umstieg gilt es jedoch zu bedenken, dass viele Geräte, die 2G oder 3G zur Kommunikation nutzen, bereits seit ca. 2004 im Einsatz sind. Sie entsprechen längst nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Der Umstieg von 2G oder 3G bringt also auch eine generelle technische Veränderung von analoger Wählverbindung auf IP-Netze mit sich. Mit dem Umstieg auf LTE gehen Anwender einen deutlichen Schritt in Richtung IoT und profitieren von zahlreichen neuen Möglichkeiten. Der Tausch des Modems oder Routers erfordert dann jedoch in vielen Fällen auch eine Anpassung der gesamten nachgeschalteten Anwendung. Auch deshalb sollte spätestens jetzt mit dem Umstieg und Tausch der Router begonnen werden.

Über Welotec
Seit 1969 bietet Welotec aus Laer im Münsterland Automatisierungsprodukte und IT-Lösungen für die Industrie. Die Münsteraner unterstützen ihre Kunden durch ganzheitliche IoT-Lösungen bei der digitalen Transformation. Zusammen mit ihren Kunden und Partnern schafft Welotec robuste und zuverlässige Netzwerk- und Computing-Lösungen. In den Bereichen Smart Grid, Verkehrstechnik und Maschinenbau bietet das Unternehmen Mobilfunk Lösungen der 4. und 5. Generation, Edge Computing und Routing Lösungen von der Edge in die Cloud. Neben den Standard Welotec Routern, IoT-Gateways, Edge Computern und Antennen bietet das Unternehmen auch Entwicklung und Produktion kundenspezifischer Geräte, Softwarelösungen und Antennen. Persönliche und qualifizierte Beratungs-, Schulungs- und Serviceleistungen bei der Verwirklichung individueller Kunden-Lösungen sind Ziel des Unternehmens, um so deutlich mehr Sicherheit in allen Entscheidungsfragen vor, während und nach einer Projektierung zu schaffen.

Mehr Infos unter: https://www.welotec.com/

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Dennis Kock

Geschäftsfeldentwicklung Smart Infrastructure bei Welotec

Nora Crocoll

Nora Crocoll

Studium Technische Redaktion, Praxis in der Elektronik-Industrie. Diplomarbeit in der Softwareentwicklung (XML-basierte Arbeitsumgebung für Redaktionsleitfaden). Seit 2005 als Autorin beim Redaktionsbüro Stutensee.

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