Skalierbare lösung bietet Flexibilität und Komfort

Visualisierung für Gepäckabfertigung am Flughafen Danzig

Bild 1:  Der Flughafen Danzig wurde rechtzeitig zur Fußball Europameisterschaft 2012 komplett modernisiert und ausgebaut. Die Gepäcksortier- und Verteilanlage besteht aus einem Schienensystem und den intelligenten BEUMER autoca-Fahrzeugen (Foto: BEUMER)

Der Begriff „Visualisierung“ beschreibt die Veranschaulichung abstrakter Zusammenhänge.  An den Mensch-Maschine-Schnittstellen der modernen Automatisierungstechnik lässt sich heute praktisch nicht mehr darauf verzichten. Je komplexer die Technik, desto mehr ist das Bedienpersonal auf eine solche Veranschaulichung angewiesen, um zu jedem Zeitpunkt angemessen reagieren zu können. Webbasierte SCADA-Systeme (Supervisory Control and Data Acquisition) bieten hier ideale Voraussetzungen. Dank offener Standards können sie unterschiedlichste Maschinen oder ganze Produktionsanlagen überwachen und auf einer Bedienoberfläche zusammenführen. Davon profitieren Fertigungs- und Produktionsbetriebe sowie der gesamte Logistikbereich. Auch Fluggäste haben heute einen Nutzen davon. Am Flughafen Danzig beispielsweise trägt neuerdings eine flexible Visualisierungslösung dazu bei, dass das Gepäck schnell, sicher und schonend abgefertigt und transportiert wird.

Als Spezialist für Intralogistik-Anlagen hat sich die BEUMER Gruppe (Kastentext 1) weltweit einen Namen gemacht. Das Angebotsspektrum umfasst innovative Förder- und Verladetechnik, Palettier- und Verpackungstechnik sowie automatische Sortier- und Verteilsysteme für die unterschiedlichsten Branchen, angefangen von der Getränke-, Lebensmittel- und Baustoff-Industrie über Chemie, Versandhandel und Warenhauslogistik bis hin zur Gepäckabfertigung. Vom praktischen Nutzen der Systeme konnten sich inzwischen auch zahlreiche Flugreisende überzeugen, z.B. am Flughafen Danzig. Der wurde für rund 60 Millionen Euro innerhalb von zwei Jahren rechtzeitig zur Fußball Europameisterschaft 2012 komplett modernisiert und ausgebaut. Für eine schnelle und zuverlässige Gepäckabfertigung vom Check-in bis zur Gepäckverladung sorgt jetzt das Gepäcktransportsystem BEUMER autover® (Bild 1). Dafür wurde ein 506 m langes Schienensystem mit 44 Fahrzeugen, den BEUMER autoca, sowie 20 Einschleusbänder und zwölf Endstellen im neuen Terminalgebäude installiert.

Sicher vom Check-in zum Gate

Bild 2: Eine übersichtliche Darstellung erleichtert es, bei eventuellen Fehlern proaktiv in die Transportlogistik einzugreifen und so Stillstandszeiten zu vermeiden (Foto: BEUMER/WEBfactory)

Bild 2: Eine übersichtliche Darstellung erleichtert es, bei eventuellen Fehlern proaktiv in die Transportlogistik einzugreifen und so Stillstandszeiten zu vermeiden (Foto: BEUMER/WEBfactory)

Das Gepäck wird nun nach dem Check-in von den BEUMER Umwerfbändern an die Fahrzeuge übergeben, durchläuft in der Gepäckhalle eine fünfstufige  Röntgenkontrolle  und gelangt schließlich vollautomatisch in die Zielendstellen, aus denen die Gepäckstücke verladen und zum Flugzeug transportiert werden. Die mit eigenem Antrieb und On-Board-Controller ausgestatteten Fahrzeuge bewegen sich dabei selbstständig, unabhängig voneinander mit einer beachtlichen Geschwindigkeit von bis zu fünf Metern pro Sekunde  durch das Schienensystem. Energie und Daten werden an die Fahrzeuge berührungslos übertragen. Dieses berührungslose Verfahren trägt viel dazu bei, dass das Transportsystem hochverfügbar und wartungsarm arbeitet.

Bild 3: Alarmmeldungen werden übersichtlich dargestellt (Foto: BEUMER/WEBfactory)

Bild 3: Alarmmeldungen werden übersichtlich dargestellt (Foto: BEUMER/WEBfactory)

Die hohe Komplexität der Transportanlage mit rund 3.000 unterschiedlichen Messwerten, Schaltzuständen und Meldungen so wie etwa 10.000 Alarmen, die es zu verarbeiten und darzustellen gilt, kommt nicht ohne leistungsfähige Visualisierungslösung aus. Gefordert ist aber nicht nur Leistungsfähigkeit, sondern auch übersichtliche Darstellung sowie komfortable und einfache Bedienbarkeit, denn nur dann können die Mitarbeiter bei eventuellen Fehlern proaktiv in das Logistik-System eingreifen (Bild 2 und 3). Verzögerungen im Betrieb oder gar ein Stillstand lässt sich so verhindern. Unliebsame Verzögerungen in der Passagierabfertigung werden vermeidbar.

 

Komfortabel Steuern, Bedienen und Überwachen

Bild 4: Martin Schulenberg, Fachbereichsleiter Logistik Software bei der BEUMER Maschinenfabrik GmbH & Co. KG: „Durch die Skalierbarkeit lässt sich mit WEBfactory 2010 eine Standalone Lösung ebenso realisieren wie komplexe Anlagen, bei denen viele Tausend Messwerte etc. verarbeitet, dargestellt und protokolliert werden müssen.“ (Foto: BEUMER)

Bild 4: Martin Schulenberg, Fachbereichsleiter Logistik Software bei der BEUMER Maschinenfabrik GmbH & Co. KG: „Durch die Skalierbarkeit lässt sich mit WEBfactory 2010 eine Standalone Lösung ebenso realisieren wie komplexe Anlagen, bei denen viele Tausend Messwerte etc. verarbeitet, dargestellt und protokolliert werden müssen.“ (Foto: BEUMER)

BEUMER setzt aus diesen Gründen auf die Prozessvisualisierungssoftware WEBfactory 2010 aus dem Hause WEBfactory. Die auf allen Microsoft-Plattformen einsetzbare SCADA/HMI-Software-Suite zur webbasierten Visualisierung, Steuerung und Überwachung von Maschinen und Anlagen lässt sich durch ihre modulare Struktur und den durchgängigen Einsatz von Standardkomponenten sehr einfach für unterschiedliche Projekte konfigurieren. „Mit WEBfactory arbeiten wir schon seit Längerem erfolgreich zusammen“, erklärt Martin Schulenberg (Bild 4), Fachbereichsleiter Logistik Software bei der BEUMER Maschinenfabrik GmbH & Co KG. „Auch bei der Gepäckabfertigung am Danziger Flughafen konnte die Prozessvisualisierungs- und Bedienungssoftware wieder einmal ihre Leistungsfähigkeit und vor allem auch ihre Anpassungsfähigkeit beweisen.“ Schließlich ging es bei dieser Visualisierungsaufgabe darum, auch Abläufe darzustellen, die über die klassischen Aufgaben einer Prozessvisualisierung hinausgehen, z.B. Fahrzeuge in Bewegung (Bild 5).

Bild 5: Klickt man eines der Fahrzeuge an, kann man nicht nur alle dazugehörigen Informationen abfragen, sondern auch seinen Weg durch die gesamte Anlage verfolgen. (Foto: BEUMER/WEBfactory)

Bild 5: Klickt man eines der Fahrzeuge an, kann man nicht nur alle dazugehörigen Informationen abfragen, sondern auch seinen Weg durch die gesamte Anlage verfolgen. (Foto: BEUMER/WEBfactory)

„Dank der offenen Standards und der gut handhabbaren Grafik-Tools konnten wir die Visualisierung sehr gut an die speziellen Bedürfnisse beim BEUMER autover® System anpassen. Zusätzliche Controls selbst zu programmieren und einzubinden war vergleichsweise einfach“, betont Schulenberg. Klickt man jetzt beispielsweise ein bestimmtes Fahrzeug an, kann man dessen Weg durch die gesamte Anlage verfolgen. Dies ist von drei PC-Terminals aus möglich, die im Technikraum der Gepäckabfertigung und in zwei Kontrollräumen installiert sind. Außerdem ist jederzeit ein Fernzugriff übers Internet möglich. „Für den Service verbinden wir uns über VPN in die Anlage“, ergänzt Schulenberg. Dank vollständig vektorbasierter Grafiken auf Basis von Microsoft Silverlight lässt sich die Visualisierung verlustfrei an jede Bildschirmgröße anpassen. „Die Verwendung solcher offener Standards in Kombination mit modernen und verbreiteten Programmiersprachen in der Entwicklungsumgebung leistet einen großen Beitrag, um das Engineering so effizient wie möglich zu gestalten.“, fährt Schulenberg fort.

Von der ‚Standalone-Lösung‘ bis zum Clustersystem

Diese Features kombiniert mit einer skalierbaren Architektur ermöglichen eine flexible Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten. Spätere Erweiterungen sind einfach realisierbar und selbst heterogene Anlagenlandschaften lassen sich so auf einer gemeinsamen Plattform abbilden. Für Schulenberg sind das wichtige Argumente. „Wir können WEBfactory somit bei ganz unterschiedlichen Projekten durchgängig einsetzen“, erläutert er. „Durch die Skalierbarkeit lässt sich eine kleine Standalone-Lösung ebenso realisieren wie komplexe Anlagen, bei denen viele tausend Messwerte etc. verarbeitet, dargestellt und protokolliert werden müssen. Auch bei den einzelnen Features von der Protokollierung bis zum Alarmmanagement gibt es zahlreiche Möglichkeiten.“

Beim Alarmmanagement beispielsweise steht dem Anwender die ganze Palette denkbarer Varianten zur Verfügung, angefangen vom „einfachen“ optischen oder akustischen Alarm, z.B. an der Leitwarte, oder Pagermeldungen über SMS- oder E-Mail-Versand an die jeweils Verantwortlichen bis hin zu einer synthetischen Sprachgenerierung. Zudem können in Bereitschaftsplänen die Zuständigkeiten definiert werden. Bei Bedarf werden dann die entsprechenden Alarmeskalationstabellen automatisch abgearbeitet. Auch wenn ein redundantes Visualisierungssystem gefordert ist, bietet WEBfactory beste Voraussetzungen. Dafür kann die Visualisierungssoftware zu einem so genannten Clustersystem ausgebaut werden und bietet dann maximale Verfügbarkeit. Ein Cluster besteht aus bis zu acht Einzelrechnern (Knoten) mit gemeinsamen Speicherplatten und einem verbindenden Netzwerk. Im Fehlerfall „wandern“ einzelne Dienste definiert von einem Knoten zum anderen (Failover). Nachdem der Fehler beseitigt ist, geht das System wieder in den Urzustand (Failback). Dadurch wird eine sehr hohe Verfügbarkeit erreicht.

Auf der zukunftssicheren Seite

Am Flughafen Danzig hat sich die Gepäckabfertigung und damit auch die Visualisierungssoftware mittlerweile im praktischen Einsatz bewährt. „Alles in allem hat der Einsatz von WEBfactory 2010 dieses Projekt erheblich erleichtert“, fasst Schulenberg zusammen, „Ich bin deshalb sicher, dass wir auch in Zukunft erfolgreich mit WEBfactory zusammenarbeiten werden.“ Dazu beitragen wird sicherlich, dass die modular aufgebaute Visualisierungssoftware kontinuierlich weiterentwickelt wird. Um von unterwegs auf Daten zuzugreifen, gibt es seit Kurzem ein HTML5-Modul. Denn während die Microsoft Silverlight Technologie für komplexe Businessanwendungen sicherlich auch zukünftig das Mittel der Wahl bleibt, bietet sich für den mobilen Schnellzugriff per Smartphone heute das betriebssystemunabhängige HTML5 an, das viele neue Funktionen auf allen heute üblichen Smartphones unterstützt. Was sich die Visualisierungsspezialisten als nächstes einfallen lassen; darauf darf man gespannt sein.

Ellen-Christine Reiff

Ellen-Christine Reiff

Studium der deutschen Philologie, danach tätig bei Theater und Fernsehen, seit 1986 freie Journalistin beim Redaktionsbüro Stutensee mit Schwerpunkt Optoelektronik, elektrische Antriebstechnik, Elektronik und Messtechnik.

Bernhard Böhrer

Geschäftsführer WEBfactory GmbH

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