Industrie und Fachmedien im Dialog:

Sensoriktrends auf den Fachpressetagen 2016

Eine ausgezeichnete Gelegenheit, Neuigkeiten aus der Automatisierungsbranche zu erfahren und in den richtigen Zusammenhang zu bringen, boten wieder einmal die vom Redaktionsbüro Stutensee (RBS) organisierten Fachpressetage, die Anfang Februar in Karlsruhe stattfanden. Mit einem vielseitigen Vortragsprogramm und anschaulichen Präsentationen auf der angegliederten Tischmesse erwies sich die gut besuchte Veranstaltung zum wiederholten Mal als wichtige Plattform für den Informationsaustausch und ein gewinnbringendes Networking zwischen Unternehmen der Automatisierungsbranche und den Redaktionen der Fachmedien. Vorgestellt wurden zahlreiche neue Produkte, Problemlösungen und Techniken, die für die Zukunft der Automatisierungstechnik wegweisend sein könnten. Ein Schwerpunktthema bildete dabei die Sensorik.

Sensorik für die Antriebstechnik

Kompakter Ethernet-Drehgeber Bild: Baumer

Kompakter Ethernet-Drehgeber.
Bild: Baumer

Ohne Sensoren ist Automatisierung nicht denkbar. Kein Wunder also, dass sich etliche Vorträge mit diesem facettenreichen Themenbereich auseinandersetzten. Die Baumer GmbH beispielsweise stellte die neuste Generation der Ethernet-Drehgeber vor, die in Bezug auf die Vernetzungsmöglichkeiten im Zeichen der Industrie 4.0 neue Maßstäbe setzt und außerdem ungewöhnlich kompakt ist.

Robuster Drehgeber: genauer und dynamischer als das Vorgängermodell Bild: Wachendorf

Der robuste Drehgeber ist genauer und dynamischer als das Vorgängermodell.
Bild: Wachendorf

Auch auf der Tischmesse waren Drehgeber ein Thema: Wachendorf Automation zeigte eine Weiterentwicklung des bewährten WDGA, die jetzt viermal genauer und zwölfmal dynamischer ist als das Vorgängermodell. In Verbindung mit der EnDra®-Multiturn-Technologie können diese absoluten Drehgeber in Motoren und in Prozessen mit deutlich höheren Anforderungen an Dynamik und Genauigkeit eingesetzt werden. Da es sich um ein vollständig magnetisches System handelt, sind die Geräte sehr kompakt im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen, die mit optischem Singleturn und Getriebetechnologie arbeiten.

Laser-Sensoren für die Abstands-, Längen und Geschwindigkeitsmessung

Multi-Spot Laser-Distanzssensor für glatte und raue Oberflächen Bild: Baumer

Multi-Spot Laser-Distanzssensor für glatte und raue Oberflächen
Bild: Baumer

Optische Sensoren sind recht vielseitig einsetzbar, da sie berührungslos arbeiten und die Messobjekte nicht mechanisch beeinflussen. Im Rahmen der Fachpressetage wurden gleich mehrere Highlights aus diesem Bereich vorgestellt. So erläuterte die Baumer GmbH in einem Vortrag die Funktionsweise eines neuen Laser-Distanzsensors. Dank innovativer Auswertelogik und einfacher Bedienung ermöglicht er effiziente Messung auf anspruchsvollen spiegelnden oder sehr rauen Oberflächen.

Der derzeit wohl kleinste Laserabstandssensor. Bild: Sensopart

Der derzeit wohl kleinste Laserabstandssensor.
Bild: Sensopart

Den derzeit wohl kleinsten Laserabstandssensor auf dem Markt gab es auf dem Messestand von Sensopart zu sehen. Mit seinem kleinen, präzisen Lichtfleck, der sehr hohen Wiederholgenauigkeit und der schnellen Ansprechzeit eignet sich der Sensor besonders für die Vermessung von Kleinteilen, Positionier- und Regelungsaufgaben sowie in Robotikanwendungen.

Laser Surface Velocimeter (LSV) erzielen selbst bei glühendem Stahl zuverlässige Messergebnisse. Bild: Polytec

Laser Surface Velocimeter (LSV) erzielen selbst bei glühendem Stahl zuverlässige Messergebnisse.
Bild: Polytec

Für Produktionsprozesse in vielen Bereichen ist die Messung der Produktgeschwindigkeit und –länge unverzichtbar. Das Messsystem sollte dann selbst unter harten Umgebungsbedingungen höchste Ansprüche an Genauigkeit und Reproduzierbarkeit erfüllen. Der Referent von Polytec erklärte anhand konkreter Applikationsbeispiele, warum Laser Surface Velocimeter (LSV) selbst dort zuverlässige Messergebnisse erzielen, wo herkömmliche Messsysteme an ihre Grenzen stoßen, z.B. bei glühendem Stahl, in der Metallbearbeitung und in der Lebensmittelproduktion, beispielsweise bei teigigen Produkten, deren Geschwindigkeit anders nicht zu messen ist.

Vision-Sensoren, Kameras, Bildverarbeitung und Co.

Auch wer sich für Bildverarbeitung interessierte, kam bei den Fachpressetagen auf seine Kosten: FRAMOS berichtete über die Marktstudie 2016 „Industrielle Kameras, ihr Markt und ihre technischen Merkmale“, die Hinweise darauf gibt, wie sich der Imaging Markt zukünftig entwickeln wird:

Im Anschluss daran lieferte der Vortrag der ifm electronic GmbH gleich ein konkretes Beispiel: eine 3D-Kamera, die Szenen und Objekte auf einen Blick in ihren räumlichen Dimensionen erfasst. Im Gegensatz zu Laserscannern kommt sie ohne bewegliche Komponenten aus und ist dadurch robust und verschleißfrei. Eine intuitive bedienbare Parametriersoftware erlaubt eine einfache Einstellung der kameraspezifischen Parameter:

Sven Klette-Matzat, Vision Components GmbH, erläuterte, wie durch FPGA-Programmierung die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Embedded Vision Systemen um bis zu 20 mal schneller werden kann. Bild: RBS

Sven Klette-Matzat, Vision Components GmbH, erläuterte, wie durch FPGA-Programmierung die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Embedded Vision Systemen um bis zu 20 mal schneller werden kann.
Bild: RBS

Einen völlig anderen Ansatz präsentierte der Referent von Vision Components. Er erläuterte, wie durch FPGA-Pogrammierung die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Embedded Vision Systemen um bis zu 20 mal schneller werden kann. Der enorme Geschwindigkeitsvorteil entsteht dadurch, dass Bildaufnahme und -auswertung im FPGA parallel ablaufen – und zwar ohne Beteiligung des ARM-Prozessors, der dadurch für weitere Aufgaben zu 100 % zur Verfügung steht.

Während im Realbild bei den Hühnerteilen zwischen den verschiedenen Bestandteilen kaum unterschieden werden kann, sind die Anteile von Fleisch (grün), Fett (rot) und Knochen (blau) im CCI-Bild deutlich voneinander abgehoben. Bild: Stemmer

Während im Realbild bei den Hühnerteilen zwischen den verschiedenen Bestandteilen kaum unterschieden werden kann, sind die Anteile von Fleisch (grün), Fett (rot) und Knochen (blau) im CCI-Bild deutlich voneinander abgehoben.
Bild: Stemmer

Bei der Vision-Sensorik geht es nicht immer um sichtbares Licht. Die Stemmer Imaging GmbH berichtete über das Hyperspectral Imaging. So nennt sich eine neue Technologie, die als Erweiterung der multispektralen Bildverarbeitung angesehen werden kann. Sie nimmt in über 100 Wellenlängenbereichen des infraroten Spektrums Bildinformationen auf. So entsteht ein „chemischer Fingerabdruck“ von Materialien, der es erlaubt, diese zu unterscheiden und zu klassifizieren.

Thorsten Czech, Optris GmbH, machte die Anwesenden mit den Features einer neuen Wärmebildkamera zu vertraut. Bild: RBS

Thorsten Czech, Optris GmbH, machte die Anwesenden mit den Features einer neuen Wärmebildkamera zu vertraut.
Bild: RBS

Die Optris GmbH nutzte die Fachpressetage, um die Anwesenden in einer Art „Hands-on-Training“ mit der Infrarot-Messtechnik vertraut zu machen und die Features ihrer neusten Wärmebildkameras zu zeigen).

Blick über den Tellerrand

Für die zahlreichen vertretenen Redaktionen lieferten die Fachpressetage damit wertvolle Informationen, zumal die großzügig bemessenen Zeiten zwischen den Vortragsblöcken ausreichend Gelegenheit boten für rege Diskussionen und die Kontaktpflege zwischen Industrie und Fachpresse. Die Abendveranstaltung „Zu Gast bei Hirschmann Mobile Machine Control Solutions (MCS)“ und die Podiumsdiskussion „Fachverlage im Kontext neuer Medien“ bot darüber hinaus den anwesenden Automatisierungsspezialisten eine gern genutzte Gelegenheit zum Blick über den Tellerrand. Es wundert also nicht, dass bald die Vorbereitungen für die nächsten Fachpressetage beginnen. Sie finden 2017 voraussichtlich vom 31. Januar bis 2. Februar wieder in Karlsruhe statt.

Über das RBS
Kleine und mittelständische Unternehmen finden meist nur schwer den Zugang zur Fachpresse. Die schreibenden Ingenieure vom Redaktionsbüro Stutensee (RBS) haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Brücke zwischen Industrie und Fachpresse zu schlagen, indem sie seit nunmehr fast dreißig Jahren Firmen aus dem Umfeld der Verfahrens- und Automatisierungstechnik bei ihren Presseaktivitäten unterstützen. Zum umfangreichen Produktspektrum gehören Pressemeldungen und Fachaufsätze ebenso wie Anwendungsberichte, Reportagen und Interviews sowie deren professionelle Vermarktung. Mit den Fachpressetagen hat das RBS ein weiteres Instrument für eine effektive Pressearbeit geschaffen. Als Treffpunkt für Industrie und Fachpresse bietet diese im Jahresrhythmus stattfindende Veranstaltung Firmen aus Prozess-, Gebäude- und Automatisierungstechnik die Möglichkeit, bei geringem Aufwand für die teilnehmenden Unternehmen mit einer großen Zahl von Redakteuren in direkten Kontakt zu kommen.
Ellen-Christine Reiff

Ellen-Christine Reiff

Studium der deutschen Philologie, danach tätig bei Theater und Fernsehen, seit 1986 freie Journalistin beim Redaktionsbüro Stutensee mit Schwerpunkt Optoelektronik, elektrische Antriebstechnik, Elektronik und Messtechnik.

Alex Homburg

Alex Homburg

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