Keine Angst vor SPS-Migrationen

In vielen Anlagen, die rund um die Uhr arbeiten, wie z.B. dieses Zementwerk von Opterra am Standort Karsdorf, müssen Migrationen schnell und zuverlässig während geplanter Stillstandszeiten realisiert werden. Bild: Jörg Baumann
Abgekündigte Baugruppen müssen getauscht werden, das stellt kaum einer in Frage. Nur so lassen sich auch künftig benötigte Ersatzteile beschaffen und ein zuverlässiger Anlagenbetrieb gewährleisten. Die Frage ist also nicht ob, sondern wann und wie. Denn die meisten Produktionen sollen am besten ununterbrochen laufen. Notwendige Umbauten müssen also in geplanten Stillstandszeiten durchgeführt werden. Damit es dann schnell geht, ist vorab eine detaillierte Planung und Vorbereitung notwendig samt einer zuverlässigen Umsetzung der Umbaumaßnahmen. Das Beispiel in einem Zementwerk zeigt: Wer seine Hausaufgaben ordentlich macht, kann trotz der einen oder anderen Überraschung den vorgegebenen Zeitrahmen sogar unterschreiten. Migrationen sind also nichts, wovor man sich fürchten muss. Sie bergen sogar die Chance, vorhandene Prozesse zu optimieren und beispielsweise auch Software entsprechend anzupassen.

Das Zementwerk von Opterra am Standort Karsdorf, etwa 70 Kilometer südwestlich von Leipzig, zählt zu den größten in Deutschland. Der Karsdorfer Kombi-Turm ermöglicht es, Spezialbindemittel herzustellen, die individuell auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind. Hier wird eine umfangreiche Palette an Portland-, Portlandkomposit- und Hochofenzementen sowie Spezialbindemitteln produziert. Zudem gibt es im Werk eine Packerei, um Sackzemente abzufüllen. Der für die Zementherstellung benötigte Brennstoff wird per LKW angeliefert und in Silos geblasen. Den Endladeprozess der LKW, also das Einlagern ins Silo und das Auslagern des Brennstoffs für die Produktion wurde bislang jeweils mit Hilfe einer Siemens SPS des Typs S5-115U gesteuert. Da der Hersteller diese Steuerung abgekündigt hat, galt es die in der Anlage verbauten Modelle durch zwei neue SPSen zu ersetzen. Auch das Visualisierung-Panel sollte migriert werden.

Geplanten Stillstand nutzen

Durch milde Temperaturen war die Nachfrage nach Zement auch in den Wintermonaten verhältnismäßig hoch. Das Zementwerk stand daher nur zum Jahreswechsel geplant für einige Zeit still, um notwendige Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten umzusetzen. Die Automatisierungsexperten von Rösberg Engineering erhielten den Auftrag, in diesem Zeitraum die vorhandenen Steuerungen auszutauschen und die Software zu migrieren. Dem Siemens Solutions Partner blieben somit genau zwei Wochen für den Umbau vor Ort. Es musste also akribisch geplant werden, welche Tätigkeiten an welchem Tag vorgenommen werden müssen und wie viele Mitarbeiter dafür nötig sind. Das übernahmen die Automatisierungsexperten ebenso wie die Koordination der einzelnen Gewerke, die Kommunikation an der „Schnittstelle“ und natürlich auch die Inbetriebnahme der Steuerungen. Um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, ist Know-how auf mehreren Ebenen nötig: Es reicht nicht, nur die SPS programmieren zu können, sondern es gilt auch die bestehenden Prozesse zu verstehen, um die Montageprozesse richtig vorzubereiten und umzusetzen.

Gut geplant ist halb migriert

Christian Pöschke, Senior Project Manager Bereich Process Automation: „Mich begeistert bei solchen Projekten immer wieder unsre gute Teamarbeit. Trotz kleiner Überraschungen haben wir es dank guter Vorbereitung in Karsdorf geschafft, die für den Umbau vorgegebene Zeit sogar um die Hälfte zu verkürzen. Sprich, wir waren bereits nach einer statt wie geplant zwei Wochen fertig.“ Bild: Rösberg
Christian Pöschke, Senior Project Manager Bereich Process Automation: „Mich begeistert bei solchen Projekten immer wieder unsre gute Teamarbeit. Trotz kleiner Überraschungen haben wir es dank guter Vorbereitung in Karsdorf geschafft, die für den Umbau vorgegebene Zeit sogar um die Hälfte zu verkürzen. Sprich, wir waren bereits nach einer statt wie geplant zwei Wochen fertig.“
Bild: Rösberg

Bei Projekten wie diesen arbeiten die Automatisierungsexperten im Team und zwar mit Spezialisten aus verschiedenen Standorten ihres Unternehmens. So wird es möglich, die für den jeweiligen Anwendungsfall idealen Kompetenzen zu bündeln und neue Mitarbeiter nicht nur zu integrieren, sondern auch praxisgerecht weiterzubilden. Ein Projektleiter, in diesem Fall Christian Pöschke Senior Project Manager Bereich Process Automation, übernimmt die Koordination, damit der Kunde einen klar definierten Ansprechpartner hat. Im Karsdorfer Zementwerk verschaffte sich Pöschke vor den eigentlichen Umbaumaßnahmen in einer Führung vor Ort einen umfassenden Überblick über die Anlage und deren Funktionen. Er erklärt: „Wir haben über die Jahre einen umfangreichen Erfahrungsschatz bei Migrationsprojekten in der Prozessindustrie gesammelt. Das erleichtert uns das Verständnis für den jeweiligen Prozess unseres Kunden. Dennoch ist eine solche Besichtigung vorab extrem hilfreich, um eine Anlage und ihre Prozesse besser zu verstehen, ein Projekt möglichst gut planen und potentielle Schwierigkeiten rechtzeitig erkennen zu können.“ In den Wochen vor dem Jahreswechsel haben die Automatisierungsexperten aber nicht nur Abläufe geplant und die Software migriert, sondern auch Komponenten beschafft, systematisch verpackt und beschriftet sowie die notwendige Montagedokumentation erstellt. Pöschke ergänzt: „Natürlich kommt es dann doch bei fast jedem Projekt zu ungewollten Überraschungen. Oft sind diese dadurch verursacht, dass die vorhandene Anlagendokumentation nicht mit dem as-built-Zustand einer Anlage übereinstimmt. Dank guter Vorbereitung haben wir es in Karsdorf aber dennoch geschafft, die für den Umbau vorgegebene Zeit sogar um die Hälfte zu verkürzen. Wir waren also bereits nach einer statt wie geplant zwei Wochen fertig.“

Migration für Optimierung nutzen

Anwender profitieren bei der Migration von Steuerungssoftware gleich doppelt. Software muss nicht komplett neu erstellt werden, das spart Zeit. Trotzdem lassen sich an dieser Stelle Änderungen zur Prozessoptimierung verhältnismäßig einfach implementieren. Mit dem Umstieg auf die neuen Steuerungen des Typs Siemens S7-300 und das Visualisierung-Panel erlebte die Visualisierung in Karsdorf eine deutliche Weiterentwicklung. Aus einer verhältnismäßig rudimentären Lösung wurde ein zeitgemäß intuitives User-Interface, das sich einfach bedienen lässt. In einer Vor-Ort-Schulung nach Abschluss der Migrationsarbeiten wurden die Anlagenbetreiber mit dem neuen System vertraut gemacht. Selbstverständlich gehört eine umfangreiche Enddokumentation zu verbauter Hardware und der erstellten SPS-Programmierung mit dazu.

Dipl.-Ing. Stefan Brand, Instandhaltung Prozessleittechnik bei Opterra berichtet: „Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Rösberg. Vom Kick-off-Meeting vor der Migration bis hin zur eigentlichen Migration lief alles bestens organisiert ab.“ Bild: Opterra
Dipl.-Ing. Stefan Brand, Instandhaltung Prozessleittechnik bei Opterra berichtet: „Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Rösberg. Vom Kick-off-Meeting vor der Migration bis hin zur eigentlichen Migration lief alles bestens organisiert ab.“
Bild: Opterra

Bei Opterra ist man mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Dipl.-Ing. Stefan Brand, Instandhaltung Prozessleittechnik bei Opterra, berichtet: „Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit von Rösberg. Bereits in der Angebotsphase lief der Austausch sehr gut und bestens organisiert ab. Das begann mit dem Kick-off-Meeting vor der Migration, in dem letzte Unklarheiten geklärt und eventuelle Hindernisse beseitigt wurden, und reichte bis hin zur eigentlichen Migration, die planmäßig und äußerst zielstrebig realisiert wurde. Zum nächsten Jahreswechsel planen wir eine weitere, umfangreichere Migration. Wir wollen vorhandene Lösungen nicht nur migrieren, sondern in diesem Zuge auch optimieren. Nach den guten Erfahrungen ziehen wir hierfür erneut die Zusammenarbeit mit Rösberg in Betracht.“

Über Opterra
Opterra ist ein deutscher Baustoffhersteller. Die Kernaktivitäten des Unternehmens umfassen die Herstellung und den Vertrieb von Zement. In Süddeutschland betreibt Opterra zudem ein Transportbetonwerk. Neben einem umfangreichen Sortiment von mehr als 30 Zementsorten bietet das Unternehmen seinen Kunden Services rund um die Themen Anwendungsberatung, Vertrieb, Qualität und Logistik. Das Tochterunternehmen des irischen Baustoffkonzerns CRH ist mit ca. 400 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen an vier Standorten vertreten.

Über Rösberg
Rösberg Engineering GmbH, im Jahre 1962 in Karlsruhe gegründet, bietet mit 120 Mitarbeitern an fünf Standorten in Deutschland und in China maßgeschneiderte Automatisierungslösungen für international agierende Unternehmen der Prozessindustrie. Heute ist RÖSBERG ein international erfolgreicher Automatisierer und Entwickler von Softwarelösungen. Zum Aufgabenspektrum gehört das Basic- und Detail-Engineering für die Automatisierung von prozess- und fertigungstechnischen Anlagen sowie die Konfiguration, Lieferung und Inbetriebnahme von Prozessleitsystemen. Zudem verfügt das Unternehmen über umfangreiche Projektierungs- und Anwendererfahrung beim Einsatz sicherheitsgerichteter Steuerungen, ist Experte für Funktionale Sicherheit und bietet im Bereich der Informationstechnik branchenspezifische Softwarelösungen an. Das PLT-CAE-System ProDOK NG ist seit über 30 Jahren international erfolgreich. Unter dem Namen Plant Solutions begleiten ProDOK NG, die digitale Anlagendokumentation LiveDOK NG und der Plant Assist Manager (PAM) Anlagen während der gesamten Betriebszeit von Planung, Bau, Inbetriebnahme, Modernisierung und Erweiterung bis hin zur Stilllegung.

Marco Antoni

Der Diplom-Physiker arbeitet seit Juni 2015 beim Redaktionsbüro Stutensee. Kontakt können Sie via
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