Wiederkehrende Prüfungen, Fristen, Bestimmungen und Co.

Der richtige Umgang mit Gefahrgut

Die KS Mobil Baureihe aus leichtem, elektrisch leitfähigem hochvernetztem Polyethylen zum Schutz vor statischen Aufladungen ist einfach im Handling. Bild: CEMO

Wer kennt das nicht, Sicherheitsbestimmungen, die ein Spezialist jeden Tag anwenden muss, sind ihm geläufig, sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen. Aber wie sieht es mit den nicht alltäglichen Anforderungen aus? Schnell sind im Gefahrgutrecht Fristen übersehen oder Prüfungen versäumt. Hinzu kommt: der Bereich gefährlicher Stoffe wird aus Arbeits- und Umweltschutzgründen immer weiter ausgedehnt und umfasst heute auch Bereiche, die früher nicht tangiert waren. Es betrifft daher zunehmend Betriebe, bei denen die Öffentlichkeit zunächst nicht an Gefahrgut denkt. Doch auch hier gibt es durchaus Hilfestellungen für den betroffenen Praktiker, damit er sich auf sein Alltagsgeschäft konzentrieren kann.

Die Palette an Anforderungen im Gefahrgutrecht ist groß, noch größer die individuellen Lösungen, die je nach Betriebsanforderungen gefunden werden müssen, um Gesetz und Arbeitsablauf Genüge zu tun. Da Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen schnell teuer werden und nicht nur den Betrieb, sondern auch den beteiligten bzw. verantwortlichen Arbeitnehmer persönlich betreffen, muss man „auf Nummer sicher“ gehen. Nicht nur reine Hardware, auch Dienstleistungen, die den Praktiker von bestimmten wiederkehrenden Pflichten entlasten, sind zunehmend gefragt. Ein kleiner Überblick zum Thema, was man in der Praxis beachten muss und wie man sich entlasten kann soll im Folgenden aufgezeigt werden.

Prüffristen beachten

Ein kurzer Prüfblick genügt: Sind alle Warn- bzw. Gefahrgut-Aufkleber noch aktuell und vollständig vorhanden? Bild: CEMO

Ein kurzer Prüfblick genügt: Sind alle Warn- bzw. Gefahrgut-Aufkleber noch aktuell und vollständig vorhanden?

Für die Gefahrgutlagerung und -sicherung eignen sich nur zugelassene und geprüfte Behältnisse wie Tanks, Auffangwannen oder Fässer. Bekannt ist, dass Heizöl- oder stationäre Dieseltanks regelmäßig zu prüfen sind, auch um den Versicherungsschutz im Schadensfall nicht zu gefährden. Weit weniger bekannt ist, dass dies auch bei mobilen Dieseltankstellen und -behältern gilt. Zu beachten ist dabei: die Zulassung gilt nicht ab Inbetriebnahme, sondern ab dem Herstellungsdatum (!) bei Kunststoffbehälter für 5 Jahre. Bei Stahl dagegen ist die Zulassung unbegrenzt aber mit vorgeschriebener 2 ½ jährlicher Kontrolle durch einen Sachkundigen bzw. Sachverständigen. Doch auch in der Zwischenzeit ist es ratsam, ein wachsames Auge auf den Behälter zu haben. Offensichtliche Risse an Schläuchen oder Beschädigungen am Tank geben Anlass zu einer vorzeitigen Fachinspektion. Dabei wirft man am besten gleich noch einen Blick auf die Warn- bzw. Gefahrgut-Aufkleber: Sind sie noch alle aktuell und vollständig vorhanden? Falls nicht, sollten sie umgehend erneuert werden. Bei Änderungen der „Bezettelung“, also der vorgeschriebenen Warnaufkleber für brennbare, umwelt-/wassergefährdende etc. Stoffe, sind schließlich nur sechs Monate Übergangsfrist im Gefahrgutrecht vorgesehen.

Ab 100 l flüssigem Gefahrgut sind zugelassene Auffangwannen vorgeschrieben. Auch diese unterliegen je nach Material einer Kontrollpflicht, u.a. einer wöchentlichen Sichtprüfung. Bei dieser ausführlichen Begutachtung müssen Stahl- und Blechwannen, die direkt auf dem Boden stehen, auch von unten auf Korrosion überprüft werden. Gleiches gilt für die Wannen aus PE. Diese rosten zwar nicht, müssen aber auf Beschädigungen wie Einschnitte und Eindrücke im Material geprüft werden. Glasfaserverstärkte Wannen sind zwar deutlich robuster, aber auch hier sollte besser eine möglichst dokumentierte Prüfung etwaige Zweifel an der Sicherheit des jeweiligen Rückhaltesystems ausräumen.

Notfallset mit Bindemittel, Handschuhen etc. für die schnelle Schadenseindämmung. Bild: CEMO

Notfallset mit Bindemittel, Handschuhen etc. für die schnelle Schadenseindämmung.

Natürlich geht die Prüfung auch über der Auffangwanne weiter, sie ist schließlich nur der „Notnagel“, der dann hilft, wenn es am Behälter darüber zum Fehler kommt. Die maximale Nutzungsdauer von üblichen Klein-Behältern und Fässern aus PE von typischerweise 5 Jahren ist meist am Boden oder der Seite mit einem Stempel aufgedruckt. Nach Ablauf der dort angegebenen Frist muss das Gefahrgut umgepackt werden. Das gilt für die Lagerung und den Transport. Wird bei einer Transport-Kontrolle eine abgelaufene Verpackung entdeckt, ist das ein Verstoß gegen die ADR-Vorschriften (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) und kostet neben der Strafzahlung noch Zeit und Geld für die Umverpackung, ohne die man nicht weiterfahren darf. Eine oft unbeachtete Seite des Gefahrgutrechts ist der private und betriebliche Umgang mit Gasflaschen. Auch hier lauern Tücken: Grundsätzlich müssen die Gasflaschen als Druckbehälter ein gültiges Prüfsiegel haben. Hier gilt: bei Flüssiggasflaschen beträgt die Gültigkeitsdauer des Siegels 10 Jahre bei Eigentums- und 15 Jahre bei Pfandflaschen. Druckgasflaschen für Industrie und technische Gase müssen nach 10 Jahren, Acetylen- und Atemluftflaschen nach 5 Jahren erneut geprüft werden. Bei Tauchflaschen reduziert sich das Intervall sogar auf 2,5 Jahre. Zudem dürfen Gasflaschen, egal ob voll oder leer, nur mit aufgesetzter Ventilschutzkappe transportiert werden. Ein Verstoß kostet rund 800 €. Wird die Flasche auch noch ungesichert, also nicht festgezurrt oder im Gestell transportiert, sind nochmal um 200 € fällig. Gasflaschen dürfen also nicht, wie auch oft zu sehen, angeschlossen an Geräte oder unbefestigt auf Anhängern oder im Kofferraum transportiert werden. Bei Kontrollen wird es sonst schnell sehr teuer.

Auch Kleinmengen bergen Risiken

Für den gelegentlichen Transport hat sich eine kaum Platz beanspruchende faltbare Auffangwanne bewährt. Bild: CEMO

Für den gelegentlichen Transport hat sich eine kaum Platz beanspruchende faltbare Auffangwanne bewährt.

Auch wer beim Transport kennzeichnungspflichtige Mengen unterschreitet (sogenannte Kleinmengenregelung nach ADR), arbeitet mit Gefahrgut und muss auf die Sicherheit achten. Er haftet bei einem Schaden und muss mit Strafe rechnen. Ist also beim Transport brennbarer Stoffe ein mindestens 2 kg fassender Feuerlöscher im Fahrzeug? Faustregel: 1 kg Pulver reicht nur für 2 Sekunden Löschstrahl. Gibt es eine Möglichkeit eventuell austretendes Gefahrgut sicher aufzufangen? Für den gelegentlichen Transport hat sich eine kaum Platz beanspruchende faltbare Auffangwanne bewährt. Ein Notfallset mit Bindemittel, Handschuhen etc. ist für den Einsatz vor Ort die richtige Wahl, um kleinere Schadstoffmengen zu binden, bevor größere Schäden entstehen.

Sicherer Umgang mit Benzin

Die Anforderungen an die Lagerung und den Transport von Benzin sind mit den eingangs beschriebenen für Dieselkraftstoff vergleichbar, jedoch noch etwas strenger gefasst. Die erhöhten Anforderungen begründen sich in der höheren Wassergefährdungsklasse und dem niedrigeren Flammpunkt. Die Lagertanks müssen daher ab einer Größe von 100 Litern doppelwandig ausgeführt sein und generell explosionsdruckstoßfest oder mit einer Flammdurchschlagsicherung ausgerüstet sein.

Für den harten Einsatz in Bau und Forst: Behälter aus Stahl mit einem explosionsdruckfesten Behälter. Bild: CEMO

Für den harten Einsatz in Bau und Forst: Behälter aus Stahl mit einem explosionsdruckfesten Behälter.

Heute werden oft Kleingeräte mit Benzinmotor eingesetzt, die vor Ort betankt werden müssen. Auch hier gibt es je nach Einsatzgebiet unterschiedlich geeignete Hilfsmittel: Kraftstofftrolleys und Behälter mit Zapfschlauch und Pumpe wie das KS Mobil Easy sind mit einem patentierten Einsatz ausgerüstet, der Explosionen unterdrückt. Die Behälter selbst sind aus elektrisch leitfähigem hochvernetztem Polyethylen zum Schutz vor statischen Aufladungen und vergleichsweise leicht. Die Behälter der KS Mobil Baureihe für den harten Einsatz in Bau und Forst fassen 90 bis 980 Liter und bestehen dagegen aus Stahl mit einem explosionsdruckfesten Behälter. Ein Schlauch mit Zapfpistole eliminiert das Risiko, Benzin zu verschütten gegenüber Kanistern mit Trichter enorm. Auch hier gilt: regelmäßige Kontrolle aller Komponenten auf Vollständigkeit und Schäden ist wichtig, denn die Zulassung bezieht sich nur auf fehlerfreie Produkte inklusive Warnaufklebern und eventuellem Zubehör. Für die Lagerung z.B. über Nacht, wenn man abends die Tanks abpumpt, gelten dagegen weitere Lagerungsvorschriften, die besonders bei Benzin sehr restriktiv sind:

Für die Lagerung von Benzin gelten restriktive Vorschriften.

Pflanzenschutzmittel, Chemikalien und Lithium-Akkus

In Schränken mit Feuerschutzklasse F30 oder F90 mit separater Abluftführung dürfen auch hoch entzündliche Stoffe für die Fertigung vor Ort am Arbeitsplatz gelagert werden. Bild: CEMO

In Schränken mit Feuerschutzklasse F30 oder F90 mit separater Abluftführung dürfen auch hoch entzündliche Stoffe für die Fertigung vor Ort am Arbeitsplatz gelagert werden.

Die moderne Landwirtschaft und auch viele Handwerks- bzw. Industriezweige kommen heute nicht mehr ohne Chemikalien aus. Häufig sind die Stoffe wie z.B. Pflanzenschutzmittel umweltgefährdend sowie giftig und der Zugang ist nur sachkundigen Personen erlaubt. Hier bieten abschließbare Umweltschränke eine sichere Lageroption. Je nach Ausführung können darin Kleingebinde, Kanister oder Fässer mit bis zu 60 l Fassungsvermögen sicher gelagert werden. In Schränken mit Feuerschutzklasse F30 oder F90 mit separater Abluftführung dürfen auch hoch entzündliche Stoffe für die Fertigung vor Ort am Arbeitsplatz gelagert werden. Was den meisten Verbrauchern nicht bekannt ist: zu den Gefahrstoffen zählen auch die zunehmend beliebten Lithiumionenakkus, die im Schadensfall brandgefährlich und mit Wasser nicht zu löschen sind. Moderne Lithiumionenakkus für Akkuwerkzeuge, Pedelecs etc. können bei Über- und Tiefentladung, was gerade bei der Lagerung von alten Akkus auftritt, sowie bei Beschädigung Feuer fangen. Sind sie in einem Schutzschrank gelagert, ist die Umgebung vor einem möglichen Akkubrand geschützt. Das Feuer beschränkt sich nur auf das Schrankinnere und die Betriebsstätte ist nicht gefährdet. Unter Umständen spart das sogar Kosten bei der Versicherungsprämie.

Weitere nützliche Hinweise zu einschlägigen Vorschriften rund ums Gefahrgut finden sich auf den nach Anwendungen geordneten Infoseiten im CEMO-Hauptkatalog.

Über CEMO
Als Hersteller von GFK-Produkten und Komplettanbieter von Problemlösungen in den Bereichen Lagern, Verteilen und sicher Handhaben bietet CEMO große Produktpaletten für viele Branchen. Weitere Dienstleistungen, wie beispielsweise die CEMO-Akademie und Beratungen ergänzen das praxisbezogene Portfolio. Der Pionier auf dem Gebiet der modernen Transport- und Lagerbehältertechnik und Deutschlands Marktführer von gesetzeskonformen Komplettsystemen für Eigenverbrauchstankstellen bietet daneben auch professionelle Lösungen zur Lagerung von wassergefährdenden Stoffen. Ein weiteres Standbein des Unternehmens sind Heizöltanks mit 72-Stunden-Lieferservice zum Kunden, Winterdienstequipment wie Streugutbehälter und Streuwagen sowie traditionelle Transport- und Lagerbehälter für Bau- und Landwirtschaft.

Alle Bilder: CEMO

Andreas Zeiff

Andreas Zeiff

Studium des Chemie-Ingenieurwesens und der Chemie, Beschäftigung mit Elektronik, berufliche Tätigkeit im Maschinenbau, seit Ende 1998 journalistisch tätig für das Redaktionsbüro Stutensee.

Marco Antoni

Marco Antoni

Der Diplom-Physiker arbeitet seit Juni 2015 beim Redaktionsbüro Stutensee. Kontakt können Sie via Xing, Twitter und Facebook aufnehmen.

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